Reitanlage Kastanienhof Kalbach
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Kinder-Förderzentrum Therapeutisches Reiten
Kastanienhof Kalbach
Schon seit dem Altertum ist die wohltuende Wirkung des Reitens auf Körper und Seele bekannt. Heute hat man die positive Beeinflussung durch das Pferd auf körperliche, psychische, geistige oder psychosoziale Störungen des Menschen erkannt und in klare Strukturen gefasst und mit einer Ausbildung untermauert. Ein Baustein, des seit 1969 aus einer Elterninitiative gegründeten Vereins zur Förderung der Integration Behinderter- VzF Taunus, ist das Therapeutisches Reiten auf der Reitanlage Kastanienhof in Kalbach. Das Therapeutische Reiten beim VzF Taunus ist geprüft und anerkannt vom Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten.
„Wir sind im Mai 2008 von Ober-Ursel Stierstadt hier her gekommen“; so Constanze Mann, die Leiterin und Organisatorin des Zentrums. „Die Anlage ist wie geschaffen für uns. Wir haben siebzehn Boxen zu Verfügung.“ Davon sind sieben Pferde für das Therapeutische Reiten ausgebildet. „Aber wir haben auch zwei Pferde von Einstellern für unsere Zwecke bekommen“! Die Reitanlage setzt sich aus einer Mischung von Therapiepferden und Pensionspferden zusammen. Das Team besteht aus drei Physiotherapeuten, einer Ergo-therapeutin, zwei Psychologen, und mindestens sechs Pädagogen. Sie alle haben die Zusatzqualifikation Therapeutisches Reiten. „Unsere Ausbilder sind alle sehr rege was Fortbildung angeht. Alle haben auch den Trainerschein, der ist Grundvorrausetzung für die Arbeit im Therapeutisches Reiten.“ Aber es gehört noch ein großer Stab von Helfern dazu, die freiwillig unterstützend das Therapeutische Reiten begleiten. Im Stall sorgt Landwirt Gangel für die Logistik ein Pferdepfleger und eine Pferdewirtin sind für das Stallmanagement zuständig. Unsere Pferde haben ein sehr abwechslungsreiches Programm. Es sind Westernausbilder auf dem Hof, Gangpferdereiter oder es wird Bodenarbeit nach Peter Kreinberg gemacht. Ein wesentlicher Teil der Ausbildung der Pferde ist die Doppellonge oder das Arbeiten am langen Zügel für die Hippotherapie. „Aber wir gehen auch ins Gelände ein bisschen bummeln“, so Constanze Mann lächelnd. Die Pferde sind sehr unterschiedlich im Charakter und spiegeln sofort den Umgang wieder. „Wir haben eine Tinkerstute, die geistig so feinfühlig ist, dass wir ihr nach der Arbeit mit zwei geistig Behinderten eine Pausen gönnen müssen, sonst verkraftet sie es nicht und wird hiebelig!“
Auf der behindertengerechten Reitanlage stehen die siebzehn Pferde in ihren Stallungen mit Paddock oder in Außenboxen. Eine Reithalle mit den Maßen 60m x 20m und ein wetterfester Außenplatz stehen den Therapeuten mit ihren Schülern zur Verfügung. „ Wir haben einen Boden von Gude, der genau auf unsere Ansprüche aufgebaut ist. Da wir oft mit vier Personen am Pferd laufend arbeiten verdichtet sich der Boden stark. Aber der Hersteller war oft bei uns und hat den Boden optimal aufgebaut. Was auch für die Firma Gude erstmalig war.“ Zur Ausstattung gehören ein Therapielifter, sowie verschiedene Therapie-Rampen, Aufsteighilfen und behindertengerechte Sanitäranlagen.
Das Kinder-Förderzentrum Therapeutisches Reiten Kalbach umfasst von der Therapie bis zum Einstieg in den Reitsport die unterschiedlichsten Angebote. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Heilpädagogische Einzelförderung für Menschen, die auf Grund ihres Verhaltens einer Behinderung, Probleme bei der Eingliederung in soziale Beziehungen oder sonstige Probleme an der Teilnahme am sozialen Leben haben. Die Heilpädagogische Einzelförderung versteht sich nicht als sportliches Angebot, sondern ist als eine pädagogische Förder-maßnahme gedacht. Das Therapeutische Reiten wird hier in zwei Richtungen unterschieden; die Hippotherapie, als besondere krankengymnastische Behandlungsmaßnahme und das Heilpädagogische Reiten und Voltigieren.
„Inzwischen hat es sich herum gesprochen, welche Arbeit wir hier leisten und wir haben viele Sonderschulen, Frühfördergruppen und Kindergärten, die in den Vormittagsstunden zu uns kommen!“ Deutlich ist die Nachhaltigkeit des Therapeutischen Reitens auf das weitere Umfeld des Kindes, was von den Lehrern und Eltern bestätigt wird. Das Feedback ist enorm und die Lehrer bestätigen, dass sich die Gruppenstruktur im Klassenverband deutlich durch die Arbeit mit dem Pferd zum Positiven verändert. Die Arbeit mit körperlich und geistig behinderten Kindern, ist das eine aber auch die pädagogische Arbeit ist ein Baustein in Kalbach. Die erste Kontaktaufnahme kommt mit einer Schnupperstunde zustande. Oft wird die Therapie von einem Arzt begleitet. Ein Förderplan wird erstellt und im Team mit allen Beteiligten besprochen „Ja es gibt über jedes Kind ein Gutachten, damit wir wissen wo wir ansetzten müssen und in welche Betreuung das Kind kommt. Für einige ist die Gruppe förderlich für andere wieder kommt nur eine Einzeltherapie in Frage.“
Der Pony-Club ist für die Jüngsten eingerichtet. Hiersind dieKinder etwa vier bis sechs Jahre alt und haben gemeinsam in integrativen Gruppen Spaß mit den Ponys. In der Heilpädagogische Spielgruppe geht es um Spiel und Spaß mit dem Pferd. Sie dient zur ersten Kontaktaufnahme und dem angstfreien Umgang mit dem Pferd. Geschicklichkeitsparcours, Laufspiele, Rallyes auf und mit dem Pferd sind genauso Bestandteil der Stunden wie geführtes Reiten und Voltigieren. In dem integrativen Führzügelunterricht geht es für die Kinder die körperlich oder geistig nicht in der Lage sind, ein Pferd verantwortungs-bewusst und sicher zu leiten. Ein erfahrener Reiter steht unmittelbar in der Nähe, der das Pferd mit Hilfe eines Führstrickes zusätzlich kontrolliert und individuelle Hilfestellung geben kann. Ihn der Longenstunde für Reitanfänger werden die Grundkenntnisse der klassischen Reitlehre vermittelt. Neben dem Erlernen von Reitsitz und Hilfengebung geht es auch um artgerechte und verantwortungsbewussten Umgang mit dem Pferd. Ein besonderes Thema ist die Integrative Reitgruppe und die Integrative Voltigiergruppe. In dem integrativen Reitunterricht wird allen pferdebegeisterten Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen die Gelegenheit gegeben ihren Anforderungen und Möglichkeiten entsprechenden Reitunterricht zu erhalten. Aber die integrative Voltigiergruppe ist noch einmal etwas Besonderes. Die Ausführung der Übungen erfordern Körpergefühl, Körperspannung und viel Mut. Gleichzeitig wird Kameradschaft und Teamarbeit hier genauso großgeschrieben wie der Umgang mit dem Pferd. Das Voltigieren bietet vielschichtige Möglichkeiten für die körperliche und emotionale Entwicklung von Kindern. Dieses gilt für behinderte und nicht behinderte, auffällige und unauffällige Kinder - und genau für alle diese ist das Angebot der Integrativen Voltigierstunde da. „Das Voltigieren soll noch weiter ausgebaut werden!“ erklärt Constanze Mann und muss zum nächsten Termin in ihrem ausgefüllten Terminkalender.
Infos: www.vzf-taunus.de Constanze Mann, Mobil: 0163-5112530 email: mann(at)vzf-taunus(dot)de
Bericht und Bilder von Heidrun Weitz, 2009 |
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