Verband der Reit- und Fahrvereine
Hessen-Nassau e.V.
Mitgliederversammlung des Verbandes der Reit- und Fahrvereine Hessen –Nassau am 14.4.2010
Initiative Vorreiter Deutschland in Neu-Isenburg vorgestellt
In der Neu-Isenburger Reithalle fiel Mitte April der hessische Startschuß zur bundesweiten Initiative „Vorreiter Deutschland“. Mit einem gebündelten Maßnahmenkonzept ausgerichtet auf vier Jahre will die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) ihre Vereine und Pferdebetriebe unterstützen, neue Mitglieder und Kunden zu gewinnen. Im Rahmen der Mitgliederversammlung des Verbandes der Reit- und Fahrvereine Hessen-Nassau erläuterte der Geschäftsführer Robert Kuypers mit aktuellen Zahlen den sich seit 2004 abzeichnenden Trend des Mitgliederrückgangs in Deutschlands achtgrößtem Sportverband. Während die Begeisterung für das Pferd dem organisierten Pferdesport bis 2004 immer Wachstum beschert hatte, nahmen die Mitgliederzahlen seitdem bundesweit um 2,03 Prozent ab. 15.552 Menschen weniger sind seit 2004 in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung organisiert. In Hessen gehörten dem HRFV am 1.1.2009 74.558 Mitglieder an. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Rückgang von 0,16 Prozent. Zwar scheinen diese Zahl gemessen an einer bundesweiten Gesamtmitgliederzahl von 764.542 nicht gravierend, doch angesichts ungünstiger gesellschaftlicher Rahmenbedingungen wie weniger Freizeit durch steigende Belastungen in Schule und Beruf, steigender Konkurrenz durch andere Sportarten und der demographischen Entwicklung ist ein Entgegenwirken geboten. Mit ihrer Initiative unter dem Motto „Rauf aufs Pferd! – Rein in den Verein!“ will die Deutsche Reiterliche Vereinigung ihren Vereinen, Ausbildern, Ehrenämtlern und Pferdehaltern Hilfsmittel an die Hand geben, erfolgreich neue Pferdesportler zu gewinnen.
Die Situation und das Konzept von „Vorreiter Deutschland“ erläuterte in Neu-Isenburg Dr. Dipl. Agr. Wolfgang Kubens. In den Vereinen nimmt die Bereitschaft ab, sich ehrenamtlich zu engagieren, für interessierte Anfänger stehen immer weniger Schulpferde zur Verfügung, immer weniger Jungen und Männer interessieren sich für’s Pferd, und die Einnahmen der Vereine und Betriebe aus Mitgliedsbeiträgen und Boxenvermietungen sowie Dienstleistungen wie Unterricht und Ausbildung sinken. „Vorreiter Deutschland“ will mit persönlicher Beratung, einem eigenen Internetportal, mit Seminaren und Weiterbildungsangeboten und Unterstützung bei der Kommunikation seine Multiplikatoren, die Organisatoren in den Vereinen, die Besitzer von Pferdebetrieben und die Ausbilder fit machen, mit einem verbesserten Angebot auf neue Zielgruppen zuzugehen. Denn das Potenzial möglicher Mitglieder und Kunden ist enorm: Laut einer vor acht Jahren durchgeführten FN-Marktanalyse reiten 1,6 Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig, davon aber nur rund die Hälfte in einem Verein oder einem der FN angeschlossenen Pferdebetrieb. Weitere eine Million Menschen würden gerne reiten. Diese Menschen zu motivieren ist die Aufgabe. Dazu will man verstärkt neue Zielgruppen wie Jungen und Männer, erwachsene Einsteiger und Wiedereinsteiger ansprechen. Das Schulpferdeangebot soll erweitert werden und man plant Kooperationen mit Schulen und Kindergärten, um mehr Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Pferd zu erleichtern und das Image des Pferdesports als eines lebenslangen Sports bei Lehrern, Erziehern und Eltern zu verbessern.
Dr. Dipl. Agr. Wolfgang Kubens erläuterte Maßgaben zur Wirtschaftlichkeit von Reitschulen und Hilfen für Management und Finanzen bei der Haltung von Schulpferden. Eine Rolle spielen hierbei nicht bloß Faktoren wie das Einzugsgebiet, die Ausstattung der Reitanlage und die Preisgestaltung, sondern auch das qualifizierte Personal, die optimale Zuordnung der Schulpferde zu den Reitschülern oder die gelungene Vereinbarkeit von Schulpferdebetrieb und Pensionsbetrieb. Hier sind die Ausbilder gefordert, ihrem Reitstall ein jeweils eigenes Profil zu geben und ein auf die durchaus unterschiedlichen Interessen der Kunden abgestimmtes Angebot zu machen. Erwachsene Freizeitreiter wünschen sich oft Naturerlebnisse bei Ausritten, ambitionierte Turnierreiter legen Wert auf eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre.
In Neu-Isenburg waren die Delegierten der Mitgliedsvereine des Verbandes der Reit- und Fahrvereine Hessen-Nassau zu Gast bei Bernhard Winkel. Bernhard Winkel managet seit 1997 in Neu-Isenburg erfolgreich einen Pensions- und Ausbildungsstall mit Schulpferdebetrieb. Selbst erfolgreich in Dressurprüfungen bis Klasse S bietet der Pferdewirtschaftsmeister auf der Reitanlage des Reit- und Fahrvereins Neu-Isenburg Reitunterricht von der ersten Longenstunde über das Abteilungsreiten auf Schulpferden bis zum erfolgreichen Turnierstart in allen Klassen an. Da ist nicht nur wirtschaftlicher Überblick, sondern auch pädagogisches Talent gefragt, um die verschiedenen Interessen und Zeitpläne der Kunden in Einklang mit den Möglichkeiten des Personals und der Reitanlage zu bringen. Manches hat Bernhard Winkel ausprobiert und wieder verworfen, wie zum Beispiel das Angebot von Ponyspielen für die Jüngsten. „Sehr gut bewährt haben sich jedoch Reitbeteiligungen für geeignete Reitschüler an Schulpferden an den Wochenenden, wo kein Reitunterricht stattfindet, da ich mit meinen Dressureleven zu Turnieren fahre“, erzählt Bernhard Winkel. „Reitschüler und Schulpferd müssen natürlich gut zueinander passen: Weder kann sich die Reitschule den Ausfall eines Schulpferdes aufgrund unsachgemäßer Behandlung erlauben, noch sollten die Schulpferde sich an den Wochenenden vernachlässigt fühlen.“
Die Vorstellung der Initaitive „Vorreiter-Deutschland“ stand im Zentrum der diesjährigen Mitgliederversammlung. Außerdem stellte Geschäftsführer Robert Kuypers wie gewohnt die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung für das zurückliegende Jahr 2009 und den Kostenvoranschlag für 2010 vor. Die Mitgliederversammlung erteilte dem Vorstand Entlastung und genehmigte den Kostenvoranschlag für 2010.
Außerdem berichtete die Vorsitzende des Verbandes der Reit- und Fahrvereine Hessen-Nassau Erika Born vom außerordentlichen Verbandstag des HRFV in Butzbach Mitte März, auf dem die Mitglieder des HRFV eine neue Satzung für ihren seit 52 Jahren bestehenden Verband verabschiedeten. Zeitgemäßer und schlanker sei die neue Satzung. Die augenfälligste Änderung findet sich gleich in § 1.1:
Der Verband führt den Namen: „Pferdesportverband Hessen e. V.“ (PSV Hessen).
Robert Kuypers erläuterte außerdem eine wichtige vom deutschen Bundestag beschlossene und am 1.7.2009 in Kraft getretene Änderung in der Viehverkehrsordnung, mit der EU-Recht in Deutschland umgesetzt wird: Demnach benötigen alle Pferde einen Pferdepass, auch solche, die nicht verbracht werden. Pferde, die nach dem 1.7.2009 identifiziert werden, müssen eine aktive Kennzeichnung in Form eines Micro-Chips erhalten. In Zukunft werden die Pferde bei der Ausstellung eines Pferdepasses automatisch gechippt. Der Chip ist vorgeschrieben, der Nummernbrand zusätzlich erlaubt. Antworten auf alle Fragen rund um den Pferdepass finden sich auf der homepage der Deutschen Reiterlichen Vereinigung:
Bericht und Bilder von Claudia Wabnitz im April 2010
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