Hannover. Aus hessischer Sicht können die diesjährigen Deutschen Jugendmeisterschaften der Ponyreiter, Junioren und Jungen Reiter in Hannover trotz einiger Rückschläge insgesamt als Erfolg gewertet werden. Zu dem Reitersportfest auf der direkt am Mittellandkanal gelegenen, weitläufigen Anlage hatten die Dressur- und Springausschüsse des HRFV acht Dressur- und neun Springreiter entsandt und damit alle Positionen mit dem Besten, das Hessen derzeit zu bieten hat, besetzt. Während die Welt gebannt auf die Olympischen Spiele schaute, wurde in Hannover  von den deutschen Olympiahoffnungen in Viereck und Parcours fürs kommende Jahrzehnt spannender Reitsport geboten. In die Annalen der DJM wird Sanneke Rothenmberger (Bad Homburger Reit- und Fahrverein) eingehen. Der Reiterin gelang etwas bisher Einmaliges: Sie holte sich in der Dressur sowohl bei den Ponyreitern, als auch den Junioren den Titel. Vor wenigen Wochen hatte sie bereits bei den Europameisterschaften der Junioren und Jungen Reitern in Portugal Reitsportgeschichte geschrieben. Erstmals war es einer Reiterin gelungen, alle drei Wertungsprüfungen bei einer EM zu gewinnen. Bei den Ponys verhalf der 18-jährige zehnmalige Mannschaftseuropameister Konrad v. Constantin-Lungau der Bad Homburgerin zum Meistertitel und sich selbst zum Ruhestand, zumindest was den großen Turniersport anbelangt: Konrad wurde von seiner Reiterin zum Abschluss der DJM im großen Springstadion vor Hunderten begeisterten Zuschauern offiziell unter tosendem Beifall mit einer kaum enden wollenden Ehrenrunde in Pension geschickt. Komplettiert wurde der Rothenbergersche Erfolg in Hannover durch die Erfolge von  Sannekes Bruder, den aktuellen Pony-Doppeleuropameister Sönke Rothenberger mit Deinhard B  auf Rang 2 bei den Ponys und mit Wolke 7 auf Rang 4 bei den Junioren. Bei den Jungen Reitern Dressur schaffte Victoria Hörnke (Kirchborn) mit Vendor Go den Sprung ins Finale und wurde insgesamt 11.. Auch in der Abteilung Springen bewies Hessen mit  der Juniorin Angelina Herröder (RC Büttelborn), dass im Parcours mit dem Löwen im Wappen zu rechnen ist. Mit Grenoble arbeitete sich die Reiterin auf Rang 5 der Gesamtwertung vor. Achtbar auch der Erfolg von Angelique Rüsen (Dillenburg) mit Granulita. Die beiden wurden Zwölfte der Gesamtwertung.
Die hessischen Sportler und Verbandsfunktionäre, an ihrer Spitze der stellvertretende HRFV-Vorsitzende Dr. Carsten Munk, Sportwart Georg Schäfer, Dressurausschussmitglied Hartwig Knapp sowie die Landestrainer Heinz Günther Scholten, Peter Illert und „Kalli“ Münz, erlebten vier aufregende Tage bei bestem Reitwetter und allerbesten Platzbedingungen. Gesellschaftlicher Höhepunkt war der Länderabend am zweiten DJM-Tag, bei dem sich die Hessen dem Publikum ihr Heimatland kulinarisch-kulturell präsentierten: Hessische Musik, Hessischer Handkäse, Hessischer Apfelwein.
Rothenberger-Geschwister setzen Maßstäbe
Die Dressurequipe des HRFV hat einmal mehr bei einer Deutschen Jugendmeisterschaft Maßstäbe gesetzt. Schuld daran sind in erster Linie und aus hessischer Sicht nicht einmal überraschend die Geschwister Sanneke und Sönke Rothenberger, die sowohl in den Pony-Wettbewerben, als auch bei den Junioren mit Spitzennotierungen Spitzenplätze belegten. In der Pony-Konkurrenz überließ Sanneke Rothenberger nichts dem Zufall und steuerte im Sattel des 18-jährigen Fuchswallachs Konrad gleich dreimal Goldkurs: 75,25 % in der ersten, 74,82 % in der zweiten und 74,6 % in der dritten Wertungsprüfung waren einfach eine Klasse für sich. Ihr Bruder Sönke hatte mit dem 9-jährigen Palominohengst Deinhard im ersten Durchgang Abstimmungsprobleme, was dazu führte, dass sich der Bad Homburger zweimal im Aufgabendschungel verirrte. Der ansonsten jedoch sehr ansprechende Ritt war dem Richterkollegium dennoch 67,66 % wert, Platz 7. Im zweiten und dritten Durchgang ritt Sönke jedoch schon wieder stramm auf seine Schwester zu und ging mit 73,77, bzw. 73,4 % jeweils auf Platz 2 durchs Ziel.
Auch bei den Junioren dominierte das Geschwisterpaar: Sanneke Rothenberger ließ im Sattel des 13-jährigen, in Bayern gezogenen Wallach Paso Doble erneut nichts anbrennen und ritt in allen drei Wertungsprüfungen unangefochten auf Rang 1: 74,25 % im ersten und sensationelle 76 % im zweiten Durchgang führten zu atemberaubenden 78,6% in der abschließenden Kür. Sönke Rothenberger wurde Gesamtfünfter und bewies, wie gut er die 9-jährige, erst seit diesem Frühjahr unter seinem Kommando stehende Fuchsstute Wolke 7 bereits im Griff hat: 71,0,  71,47 und 73,5 % zeigten eindrucksvoll das Potenzial dieses Paar. Auf Rang 6 im Gesamtklassement ging Rothenberger-Cousine Nicola Krause mit Mitchell aus dem Wettbewerb. Die 14-jährige braune Stute trug ihre Reiterin im ersten Wettbewerb auf Niveau der Klasse M** auf Rang 6 (70,33 %). Etwas Pech und einige „teure“ Patzer hatte die Bad Homburgerin dann im zweiten Wertungslauf (66,25 %), bevor sie im Kürfinale wieder zu ihrer Form fand und 72,6 % einfuhr. DJM-Novizin Ella-Alea Maulhardt von der Frankfurter Reitgemeinschaft Waldfried konnte die vom Dressurausschuss nach den Hessischen Meisterschaften in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen. Im Sattel des 10-jährigen Oldenburgers Don Gasparo kam sie im 1. Wertungslauf auf 62 % (Rang 41), konnte sich im zweiten Durchgang zwar verbessern und auf Rang 30 (63,167 %) vorarbeiten, musste am Ende aber mit Rang 38 in der Gesamtwertung vorlieb nehmen.
Vicky Hörnke und Vendor Go im Finale
Gemischt die Bilanz auch bei den Jungen Reitern. Hier konnte die für den RFC Kirchborn auf Vendor Go startende amtierende Hessenmeisterin in der ersten Wertungsprüfung 68,22 % einsammeln, genug, um an Position 5 in die Siegerehrung einzureiten. Am zweiten Wettkampftag zeigte sich der 12-jährige Wallach unter seiner Reiterin spannig, erhielt für seine Vorstellung im Prix St. Georges aber dennoch 64,164 %. Ein Platz im Finale der besten Zwölf war dem Paar damit sicher. In der abschließenden Kür jedoch tanzte der ansonsten sehr wechselsichere Vendor mehrfach aus der Reihe und präsentierte immer wieder Einer- statt der in der Aufgabe geforderten Dreierwechsel, offenbar die Folge des bereits aufgenommenen Grand Prix-Trainings. Nur 63,35 % standen am Ende zu Buche, Platz 12 im Finale und Platz 11 in der Gesamtwertung. Auch bei Katharina Schneider (RFV Wintermühle und hessische Vorjahresfinalistin) lief es diesmal nicht nach Wunsch. In der 1. Wertungsprüfung mangelte es der amtierenden hessischen Vizemeisterin an der Feinabstimmung mit ihrem 13-jährigigen Rheinländer Dr. Snuggles und diesem im St. Georg am zweiten Tag an Nervenstärke. Eine Bewegung auf der Tribüne brachte den ansonsten sehr konzentriert wirkenden Wallach ausgerechnet bei der ersten Volte aus dem Tritt und es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis Pferd und Reiterin wieder zueinander gefunden hatten – 64,167 %, zu wenig für den Einzug ins Finale, am Ende aber ein noch immer achtbarer 17. Platz in der Gesamtwertung. Gänzlich abgeschlagen landete Laura Schmadl (RSG Bad Homburger Kronenhof) mit Lord Sinclair nach Notierungen von 64,7, bzw. 59,08 % auf Rang 32 in der Schlussabrechnung.
Angelina Herröder und Grenoble in den Top Five
In den Springwettkämpfen lieferte Angelina Herröder (RG Büttelborn) mit ihrer 11-jährigen Fuchsstute Grenoble bei den Junioren aus hessischer Sicht das beste Ergebnis ab. Sie wurde Fünfte in der Gesamtwertung. In der ersten Wertungsprüfung, einem Zeitspringen Kl. M**,  kam das Paar von ohne Fehler in 70,85 Sekunden auf den aussichtsreichen Rang 9, fiel am zweiten Tag aber auf Platz 30 (78,78 sec/1 Abwurf) zurück, um im Finale mit 4,5 Punkten dann überraschend Platz 2 zu belegen. Jessica Litz (LRFV Eiterfeld) kam im ersten Durchgang mit Curacao fehlerlos auf Rang 11 (71,37 sec), musste den meisten Konkurrenten am zweiten Turniertag aber mit 75,77/4 den Vortritt lassen (Rang 25). Im Finale konnte sich das Paar jedoch auf dem achtbaren 10. Platz (10 Strafpunkte) etablieren, was den Beiden auch in der Gesamtschau Rang 10 einbrachte. Für Hessen im Finale  war auch Linus Born von der RSG Rosshof mit Carnevale: Platz 33 im 1. und Platz 23 im 2. Wertungslauf. Im Finale gab das Paar nach diversen Abwürfen jedoch auf. In der Schlusswertung liegt Linus Born auf Rang 29. Etwas hinter den Erwartungen zurück geblieben ist auch Angelique Rüsen, die mit Granulita für den RFC Landgestüt Dillenburg an den DJM in Hannover teilgenommen hat. Ein 24. und ein 15. Platz in den beiden ersten Wertungsläufen reichten nicht für den Einzug ins Finale, sie wurde dennoch Zwölfte in der Gesamtabrechnung, gefolgt von Jens Christ (RFV Groß-Zimmern) mit Cardano auf Rang 13. Das Paar kam in den ersten beiden Wertungsläufen auf die Plätze 28 und 19. Franziska Baum vom RV Wallau ritt mit der 8-jährigen Fuchsstute Delloren in der 1. Wertungsprüfung auf Rang 22 und in der 2. auf Platz 39, ohne Chance auf einen der vorderen Ränge.
Einzige hessische Teilnehmerin bei den Springwettbewerben in der Altersklasse der Jungen Reiter war Wiebke Diederich vom RFV Oberkaufungen. Sie hatte die 12-jährige braune Stute Lacanda unter dem Sattel. Nach 93,45 Sekunden blieb für die Hessin im ersten Durchgang die Uhr stehen, vier Abwürfe hatten ihr 12 Strafsekunden beschert. Am zweiten Wettkampftag lief es für das Paar noch weniger nach Plan. Lacanda verweigerte bereits den zweiten Sprung und setzte die Reiterin beim zweiten Versuch sogar in Zeitlupe im Gebälk des Hindernisses ab, Wiebke Diederich musste ausscheiden.
Pony-Reiterinnen notieren abgeschlagen
Enttäuschend auch das Abschneiden der beiden hessischen Pony-Springreiterinnen. Lisa Maria Mouret, frischgebackene Hessenmeisterin 2008, war mit ihrem 12-jährigen Braunen Bingo in Hannover in der 1. Wertungsprüfung, einem Zeitspringen mit zwei Abwürfen und 77,91 sec , leider nicht über einen 25. Platz hinausgekommen. Im 2. Wertungsspringen konnte sich das für die TRSPG Sonnenhof Oberursel startende Paar zwar mit einem Abwurf und 77,91 sec an 18. Stelle platzieren, musste im entscheidenden Finale aber aufgeben. In der Gesamtwertung rangiert Mouret an Position 24. Pia-Luise Distel vom RFV Büdingen war mit Dafina K an die Leine gereist. Sie beendete den 1. Durchgang auf Rang 32, 15,5 Strafpunkte und mit 92,69 Sekunden weit über der erlaubten Zeit, und gab beim 2. Wertungslauf auf – Rang 37 für die Wetterauerin im Gesamtklassement.
 
Alexander Schneider im August 2008
Drucken

Neuigkeiten

"Ritte des Jahrhunderts"

19.10.2010


Weiterlesen

Jungpferdeausbildung

15.09.2010


Weiterlesen

Lehrgang FN-qualifizierte Meldestelle

Vereinsmanager C


Weiterlesen

Konzeption und Realisierung: Dupp Datensysteme GmbH